Februar 2013

"Durch Paula weiß ich, wofür ich kämpfe"

Susann Bork, 46, Dozentin für Englisch und Französisch, ist Hundefan

Mein größter Wunsch war ein Baby. Jahrelang haben wir es versucht, am Anfang auf natürlichem Weg, später dann mit Kinderuvunschbehandlung. Mit 38 habe ich aufgegeben. Dieser Traum war geplatzt. Also habe ich mir meinen zweitgrößten Wunsch erfullt: einen Hund. Paula kam mit neun Wochen von einer Pflegestation für heimatlose Hunde zu uns. Sie wurde in Rumänien geboren, wo sie als Welpe am Straßenrand gefunden worden war. In Rumänien haben Straßenhunde keine Chance, sie werden in Mulltonnen geworfen oder in Tötungsstationen umgebracht. Zum Glück gibt es Tierschutzer, die diese Welpen aufnehmen und in Familien im ln- und Ausland vermitteln. So kam Paula zu uns.

Sie war schnell ein Babyersatz für mich. Ich habe eine sehr innige Beziehung zu ihr aufgebaut, aber ich habe auch immer darauf geachtet, dass der Hund Hund bleibt. Ich bin der Rudelführer, der Hund schläft auf dem Boden und nicht im Bett, und ich erwarte, dass sie kommt und gehorcht. Nach einem Jahr veränderte sich Paula. Sie wurde so anhänglich, schaute mich immer ganz merkwürdig an und quoll auf. lch hab sie mehrmals zum Tierarzt gebracht, und irgendwann fand er heraus, dass sie scheinträchtig war. Sie hatte Milchdrüsen ausgebildet und trug alle Anzeichen einer Schwangerschaft, konnte es aber unmöglich sein. Der Arzt meinte daraufhin: "Frau Bork, mit lhrer Hündin ist alles in Ordnung, aber was ist denn mit Ihnen?" Ein paar Tage später beim Gynäkologen wusste ich dann, was mit mir war: lch war tatsächlich schwanger geworden, und Paula hatte die Milch für mein Baby produziert. Als meine Schwangerschaft stabil war, hörte ihre Scheinträchtigkeit schlagartig auf. Frauchen hatte es ja endlich kapiert. Als Sebastian zur Welt kam, passte Paula immer auf ihn auf. Wenn ich ihn im Kindenrwagen in den Garten gestellt habe, wartete sie neben ihm, bis er aufwachte, um mich dann zu holen.

Durch diese große Verbundenheit zu meinem Hund habe ich angefangen hinzuschauen, was mit anderen Hunden passiert. Zusammen mit einer Gruppe von Tierschützern helfe ich, Straßenhunde aus Rumänien nach Deutschland zu bringen. Dort verteilen wir sie auf Pflegestellen und bringen sie dann nach und nach in Familien unter. Diese Aufgabe ist manchmal echt hart. Wenn misshandelte Hunde aus Tötungsstationen geholt werden, stoße ich an meine Grenzen. Aber wenn ich meine Hündin sehe, die so unendlich dankbar und treu ist, weiß ich, dass ich es schon allein deshalb mache, weil Paula heute sonst tot wäre.


Sie wollen den Straßenhunden vor Ort helfen? Die One Vet Klinik in Bukarest kümmert sich um verletzte Straßenhunde und betreibt Aufklärungsarbeit. Bankverbindung: SC ONEVET SRL, Bank: Raiffeisenbank Rumänien IBAN: RO1 1 R28R000006001 4649135, Swlfl RZBRROBUXXX
Stichwort: Laviva / Cornelia Stan

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